Eigene Carrier-Verträge in der Versandsoftware
Wer eigene Konditionen verhandelt hat, will sie auch nutzen. Die meisten Versandprogramme verkaufen stattdessen ihre eigenen Raten weiter.
- **BYO** heißt: Sie hinterlegen Ihre eigenen Carrier-Zugangsdaten. Gebucht wird unter Ihrer Kundennummer, zu Ihren Konditionen.
- Frachtfox nimmt **keine Marge auf Ihr Porto**. Der Ertrag kommt aus der Plattform, nicht aus der Differenz zu Ihrem Einkaufspreis.
- Ihre Preisliste wird zum **Rechenmodell** aus Gewichtsklassen, Zonen, Produkten und Zuschlägen. Das funktioniert auch dort, wo der Carrier gar keine Preis-Schnittstelle anbietet.
- Damit steht der Vertragspreis schon **vor** dem Versand fest und ist **nach** der Rechnung die Bezugsgröße für die Prüfung.
- Lohnend wird das ab dem Punkt, an dem Sie überhaupt eigene Konditionen bekommen, im deutschen Markt erfahrungsgemäß im mittleren vierstelligen Sendungsbereich pro Monat.
Was BYO bedeutet
BYO steht für Bring Your Own Account. Sie hinterlegen die Zugangsdaten Ihres eigenen Carrier-Vertrags, und die Versandsoftware spricht mit dem Paketdienst als Sie. Die Buchung läuft unter Ihrer Kundennummer, die Sendung erscheint in Ihrem Carrier-Portal, und abgerechnet wird zwischen Ihnen und dem Carrier.
Die Software steht dabei nicht im Zahlungsweg. Sie bringt die Oberfläche, die Automatisierung und die Auswertung, nicht den Transportvertrag.
Warum die meisten Anbieter es anders machen
Der verbreitete Weg ist der umgekehrte: Der Anbieter kauft bei den Carriern Volumen ein, bekommt dafür gute Konditionen und verkauft sie an viele kleine Versender weiter. Für einen Händler mit wenigen hundert Sendungen im Monat ist das ein gutes Geschäft. Er bekommt Preise, die er allein nie verhandeln könnte.
Für einen Versender mit eigenen Verträgen kehrt sich das Vorzeichen um. Seine eigenen Konditionen sind in aller Regel besser als das, was ein Reseller ihm anbieten kann, und er verliert zusätzlich die Beziehung zum Carrier. Vor allem aber entsteht ein Interessenkonflikt, der selten ausgesprochen wird: Wer an der Differenz zwischen Einkauf und Verkauf verdient, verdient weniger, wenn Sie billiger versenden.
Frachtfox nimmt deshalb keine Marge auf Ihr Porto. Der Ertrag kommt aus Grundgebühr, Sendungsgebühr und dem Controlling-Modul. Ein Wechsel zum günstigeren Carrier kostet uns nichts.
Die Preisliste als Rechenmodell
Der technisch interessante Teil beginnt an einer Stelle, die viele unterschätzen: Die meisten Carrier geben Vertragspreise nicht über eine Schnittstelle heraus.
Bei DHL Paket Deutschland etwa gibt es für Vertragsraten keine Abfrage. Der Preis steht in einer Preisliste, die als PDF oder Tabelle im Vertrag liegt. Eine Software, die Preise nur abfragen kann, kann dort schlicht nichts anzeigen.
Frachtfox bildet die Preisliste deshalb selbst ab: Gewichtsklassen mit ihren Grenzen, Zonen, Produkte, dazu Zuschläge als feste Beträge oder Prozentsätze mit ihren Bedingungen. Die oberste Gewichtsklasse bleibt offen und rechnet je Kilogramm weiter. Ältere Stände bleiben erhalten, weil eine Sendung aus dem März nach den Konditionen vom März zu bewerten ist.
Dieses Modell beantwortet zwei Fragen mit derselben Grundlage:
- Vor dem Versand den Preis, zu dem diese Sendung bei diesem Produkt läuft.
- Nach der Rechnung die Bezugsgröße für die Prüfung der Carrier-Rechnung, also den Betrag, den der Vertrag an diesem Tag erlaubt hätte.
Ohne hinterlegte Preisliste fehlt beides. Deshalb ist der Import der Preisliste der erste Einrichtungsschritt und nicht eine spätere Feinheit.
Was mit Ihren Zugangsdaten passiert
Carrier-Zugangsdaten sind fremde Geheimnisse, und sie werden entsprechend behandelt.
Sie werden verschlüsselt gespeichert und nie an den Browser zurückgegeben, auch nicht maskiert entschlüsselt. Die Auflösung geschieht pro Organisation: Der Adapter, der mit dem Carrier spricht, wird für Ihre Organisation gebaut und spricht ausschließlich mit Ihrem Konto. Zwischen Mandanten fließt nichts, und entziehen können Sie die Zugangsdaten jederzeit.
Was sich im Alltag ändert
Die Umstellung besteht aus vier Schritten, und drei davon macht man einmal.
- Zugangsdaten hinterlegen. Je Carrier die Daten Ihres Vertragskontos. Bei DHL sind das der Portal-Login und die Abrechnungsnummern je Produkt.
- Preisliste importieren. Gewichtsklassen, Zonen und Zuschläge als Tabelle. Das ist der Schritt, der über die Qualität aller späteren Zahlen entscheidet.
- Absenderadresse setzen. Sie steht auf jedem Label.
- Versenden. Ab hier ändert sich im Tagesgeschäft wenig, außer dass neben dem Preis die gemessene Zuverlässigkeit steht und am Monatsende die Rechnung geprüft wird.
Der Einrichtungsfortschritt wird dabei aus den echten Daten abgeleitet und nicht als Häkchenliste geführt. Wer seine Preisliste wieder entfernt, sieht den Schritt erneut als offen. Eine abgehakte Liste, hinter der keine Preisliste liegt, würde nur so aussehen, als könnte jemand versenden.
Was BYO nicht löst
Drei Dinge, die ein eigener Vertrag in der Software nicht besser macht, und die man vor der Entscheidung kennen sollte:
- Ihre Konditionen werden dadurch nicht günstiger. Die Software rechnet mit dem, was Sie verhandelt haben. Besser wird der Preis in der Vertragsrunde, nicht im Programm. Was die Software beitragen kann, ist die Vorbereitung dieser Runde mit Ihren eigenen Volumen- und Zuverlässigkeitszahlen.
- Ohne Vertrag kein Preis. Für Carrier, mit denen Sie keinen Vertrag haben, steht in der Plattform nichts. Es gibt keine Ersatzrate, die wir dazwischenschieben.
- Die Preisliste muss gepflegt werden. Ändern sich Konditionen, muss der neue Stand hinterlegt werden. Sonst prüft das Controlling gegen einen Vertrag, den es nicht mehr gibt. Ältere Stände bleiben dabei erhalten, damit alte Sendungen weiter korrekt bewertet werden.
Ab wann sich der eigene Vertrag lohnt
Die ehrliche Antwort hängt nicht an der Software, sondern am Volumen. Eigene Konditionen bekommt, wer für einen Paketdienst als Kunde interessant ist. Im deutschen Markt beginnt das erfahrungsgemäß im mittleren vierstelligen Sendungsbereich pro Monat, und es hängt zusätzlich an Struktur und Regionalität Ihrer Sendungen.
Darunter sind Sie mit Reseller-Raten meist besser bedient. Das zu sagen kostet uns nichts: Versender in dieser Größe gehören nicht zur Zielgruppe, und eine Empfehlung, die auch einmal gegen das eigene Produkt ausfällt, ist die einzige, der man glauben kann.
Wenn Sie bereits eigene Verträge haben, ist die Frage nicht mehr, ob sich das lohnt, sondern warum Ihr Porto den Umweg über fremde Raten nehmen sollte.
Häufige Fragen
- Was heißt BYO im Versand?
- BYO steht für Bring Your Own Account. Sie hinterlegen die Zugangsdaten Ihres eigenen Carrier-Vertrags in der Versandsoftware. Diese bucht damit in Ihrem Namen, unter Ihrer Kundennummer und zu den Konditionen, die Sie selbst verhandelt haben.
- Was kostet Frachtfox, wenn keine Marge auf das Porto erhoben wird?
- Eine Grundgebühr je Stufe, eine kleine Gebühr je Sendung und das Vertrags-Controlling als Zusatzmodul. Der Ertrag hängt damit nicht an Ihren Versandkosten. Das ist der Grund, warum ein Wechsel zu einem günstigeren Carrier für uns nie ein Verlust ist.
- Funktioniert das auch bei Carriern ohne Preis-Schnittstelle?
- Ja, und das ist der eigentliche Punkt. DHL Paket Deutschland etwa bietet für Vertragsraten keine Abfrage-Schnittstelle an. Der Preis kommt deshalb nicht vom Carrier, sondern aus Ihrer hinterlegten Preisliste. Ohne dieses Modell wäre eine korrekt bepreiste Buchung dort gar nicht möglich.
- Kann ich meine Zugangsdaten wieder entziehen?
- Jederzeit. Die Zugangsdaten liegen verschlüsselt und werden nie an den Browser zurückgegeben, auch nicht maskiert entschlüsselt. Nach dem Entzug spricht die Plattform nicht mehr mit diesem Carrier-Konto.
- Brauche ich für jeden Carrier einen eigenen Vertrag?
- Nein, aber ohne Vertrag gibt es auch keine Vertragskonditionen. Frachtfox verkauft keine eigenen Raten. Für Carrier, mit denen Sie keinen Vertrag haben, steht in der Plattform folglich auch kein Preis.